Identität: Sie sind mehr als Ihre Krankheit


Ihre Identität in der neuen Realität

Die Diagnose Krebs wirft oft die Frage auf, wer man jetzt ist. Aber eines ist sicher: Sie sind mehr als Ihre Krankheit. Die Krebsdiagnose ist ein Teil Ihrer Lebensgeschichte, aber sie bestimmt nicht Ihre gesamte Identität. Nehmen Sie sich bewusst Raum dafür, alle Ihre Rollen und persönlichen Beziehungen – als Elternteil, Partner:in, Freund:in, Kolleg:in oder Mensch mit eigenen Hobbys und Interessen – auf die Situation anzupassen. Versuchen Sie, diese sozialen Rollen weiter zu pflegen. Es ist entscheidend, sich auf das zu fokussieren, was Ihnen Sinn stiftet und Kraft schenkt. Seien Sie nachsichtig mit sich, wenn sich die Prioritäten verschieben. Lenken Sie die Aufmerksamkeit auf sich, um gestärkt in die Behandlung zu gehen und Ihr Leben aktiv zu gestalten.


Was die Wissenschaft sagt, und was jetzt helfen kann

So erhalten Sie Ihre Selbstwirksamkeit

  •  Selbstwirksamkeit stärkt Anpassungsfähigkeit
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    Selbstwirksamkeit stärkt Anpassungsfähigkeit

    Ihre Selbstwirksamkeit – die Überzeugung, selbst Einfluss nehmen zu können – ist ein zentraler Faktor für psychische Widerstandsfähigkeit (Resilienz). Seien Sie aktiv und glauben Sie an sich, damit kommen Sie oft leichter durch die belastende Tumortherapie. Das zeigt die Forschung.

  • Sinn-Orientierung entlastet
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    Sinn-Orientierung entlastet

    Konzentrieren Sie sich auf Ihre Werte und Ziele. Diese Sinn-Orientierung fördert die psychische Entlastung, wie Studien belegen. So können Sie Ihre Lebensfreude trotz Krebs erhalten oder sogar intensivieren.

  • Soziale Zugehörigkeit schützt
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    Soziale Zugehörigkeit schützt

    Soziale Zugehörigkeit und Unterstützung durch Ihr Netzwerk sind wissenschaftlich nachgewiesene wichtige Ressourcen während Ihrer Erkrankung. Sprechen Sie offen über Gefühle und Ängste, um Ihr Netzwerk zu stärken und Isolation vorzubeugen.

  • Körperbild verändert sich – offene Kommunikation hilft
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    Körperbild verändert sich – offene Kommunikation hilft

    Veränderungen Ihres Körperbildes (z. B. durch Narben, Stoma oder Anpassungen bei der Ernährung) sind normal und beeinflussen das Selbstbild. Suchen Sie gezielt das Gespräch mit Angehörigen und Fachpersonen. Offene Kommunikation schafft Vertrauen und fördert die Akzeptanz des veränderten Körpers.


Sie bestimmen Ihr Selbstbild

Erfahrungen und Tipps aus dem Alltag anderer Betroffener

Wenn …

Dann versuchen Sie,…

drei aktuelle Rollen zu wählen und für jede ein kleines Mikro-Ziel zu setzen. Überprüfen Sie die Rollenverteilung in sieben Tagen erneut.

für sieben Tage ein Energie-Tagebuch zu führen, um Muster zu erkennen, und planen Sie dann wichtige Aufgaben in Hoch-Energie-Zeiten ein (Pacing).

Aufgaben über eine einfache Liste klar aufzuteilen (z. B. Fahrdienst, Einkauf) und aktiv um Hilfe zu bitten, indem Sie feste Check-ins und Peer-Support über eine vorbereitete Standard-Nachricht organisieren.

die Variante zu wählen, mit der Sie sich am wohlsten fühlen, etwa Tuch, Perücke oder Kurzhaar. Milde Pflege der Kopfhaut kann sehr angenehm sein und entspannen.

den Druck herauszunehmen und Bedürfnisse offen anzusprechen. Bei Bedarf nutzen Sie psychoonkologische Unterstützung.


Was andere fragen und was Sie wissen sollten 

Reden schafft Nähe. Vereinbaren Sie mit Ihrem Partner oder Ihrer Partnerin bewusst eine Gesprächszeit ohne Ablenkung. Hören Sie einander aktiv zu und formulieren Sie Ihre Wünsche und Tabus. Ein nützliches Werkzeug kann eine „Ja/Nein/Vielleicht“-Liste sein, um herauszufinden, was sich für beide gut anfühlt. Haben Sie Geduld – dieses Gespräch wird Ihre Beziehung stärken.

Gespräche mit Familie oder Kindern sollten dem Alter angepasst, klar und ehrlich geführt werden, wobei Fragen ausdrücklich erlaubt sind. Wenn es schwerfällt, kann psychoonkologische Hilfe sinnvoll sein.

Meist ist es hilfreich, wenn Angehörige zuhören, Struktur geben und mögliche Warnzeichen im Blick behalten, während sie zugleich auf ihre eigene Entlastung achten.

Die Diagnose bedeutet, dass man Prioritäten neu setzen, die eigene Energie gut einteilen und mögliche Ansprüche wie Reha oder Krankengeld prüfen sollte. Beratungsstellen können dabei helfen, Formalitäten zu klären.


Checkliste: Auf dem Weg zum neuen Ich

Fünf wichtige Schritte, die dabei helfen

Checkliste: Auf dem Weg zum neuen Ich
  • Hier ist eine kompakte Checkliste. Sie hilft, sich in Ihren Rollen neu zu orientieren und aktiv Einfluss auf Ihr Wohlbefinden zu nehmen.

  • Wertekarte: Mit diesem Mittel bestimmen Sie Ihre Kernwerte (z. B. Mut, Beziehungen). Das fördert Ihre Sinn-Orientierung und entlastet Ihre Psyche.

  • Wochen-Mikro-Ziel: Setzen Sie ein einziges, kleines Ziel für die Woche. Erfolg stärkt Ihre Selbstwirksamkeit sofort.

  • Delegationsliste: Erstellen Sie eine Liste von Aufgaben, die Sie delegieren können. Delegieren nutzt die soziale Unterstützung und schafft Entlastung.

  • Freundliches Körperbild: Betrachten Sie körperliche Veränderungen (z. B. Narben) mit Selbstfreundlichkeit und Akzeptanz. Das stärkt Ihr Selbstbewusstsein.

  • Kleine Erfolge: Halten Sie bewusst fest, was Ihnen gut gelungen ist. Das bewusste Feiern von Erfolgen nährt Ihre Resilienz und fördert Ihre positive Einstellung.

Weitere Unterstützung für Sie

Hier finden Sie hilfreiche Anlaufstellen und weiterführende Informationen.