Für Angehörige in Krisen – entlasten, abgeben, Grenzen wahren


Sicherheit geht vor

Erlebt der Mensch, den Sie begleiten, eine Krise? Dann ist schnelle Hilfe gefragt – und keine spontane Diagnose. Verinnerlichen Sie deswegen folgenden Handlungsweg in drei Schritten:

  1. Halten Sie kurz inne und atmen Sie bitte erst einmal tief durch.
  2. Wählen Sie bei akuter Gefahr die 112, sonst die 116 117 oder kontaktieren Sie das Behandlungsteam.
  3. Konzentrieren Sie sich auf das Wichtigste, wie etwa die Gabe wichtiger Medikamente oder dringende Terminabsagen. Alles andere darf warten.

Sobald sich die Lage ausreichend entspannt hat, sollten Sie sich eine Pause gönnen. Sie unterstützen den:die Patient:in am besten, wenn Sie selbst bei Kräften bleiben.


Was die Wissenschaft sagt, und was jetzt helfen kann

Krisen bewältigen und handlungsfähig bleiben.

  • Ein Plan schafft Sicherheit
    1.

    Ein Plan schafft Sicherheit

    Studien belegen: Klare Handlungspläne für Krisen senken die psychische Belastung von Angehörigen messbar und mindern Ängste.

  • Pausen als Schutzschild
    2.

    Pausen als Schutzschild

    Die Nutzung von Entlastungsdiensten – wie einem ambulanten Pflegedienst – reduziert, wie die Forschung zeigt, das Risiko für chronische Erschöpfung bei Pflegenden erheblich.

  • Gemeinsam sicherer
    3.

    Gemeinsam sicherer

    Ein aktives Hilfsnetzwerk verringert die Unfallgefahr im häuslichen Alltag und die psychische Belastung durch geteilte Aufgaben, das bestätigt die Wissenschaft.


Auch in schwierigen Situationen stark bleiben

Erfahrungen und Tipps aus dem Alltag anderer Betroffener

Wenn …

Dann versuchen Sie,…

sofort anzuhalten – tief zu atmen – und das Gespräch zu suchen (z. B. mit einer Vertrauensperson, der Klinik oder dem Krisendienst). Bleiben Sie an einem ruhigen, sicheren Ort, bis die notwendige Hilfe bei Ihnen eingetroffen ist.

sofort Ihren 3-Schritte-Plan anzuwenden: zuerst Ort wechseln, dann im 4-6-Rhythmus atmen (vier Sekunden bewusst einatmen, sechs Sekunden lang ausatmen) und dann unverzüglich Kontakt zu Vertrauensperson oder Krisendienst (116117/112) herstellen.

dieses Stop-Signal zu respektieren. Teilen Sie gemeinsam die Verantwortung auf (Wer übernimmt was?), rufen Sie einen Entlastungsdienst an und planen Sie eine verbindliche, feste Auszeit ein.

Notfall- und Praxisnummern sichtbar abzulegen (z. B. als Kühlschrankkarte oder Kurzwahl im Handy) und die korrekte Reihenfolge (112, Ambulanz, Hausärzt:in) klar zu definieren.


Was andere fragen und was Sie wissen sollten

Bei akuter Gefahr wählen Sie 112. Sonst rufen Sie 116117 (ärztlicher Bereitschaftsdienst) an. Zusätzliche Hilfe bieten die Telefon-Seelsorge und Krisendienste. Speichern Sie diese Kontakte – und die des Behandlungsteams – sichtbar im Handy.

Der Schnellste und direkteste Weg, über den Sie sich Hilfe holen können, ist die Telefonseelsorge unter den kostenlosen Nummern 0800 111 0111 und 0800 111 0222. Bei akuter Gefahr wählen Sie bitte den Notruf 112 oder den Kassenärztlichen Bereitschaftsdienst 116117. Speichern Sie diese wichtigen Kontakte im Mobiltelefon ab.

Fieber ab 38°C, Atemnot, Blutungen, starke Schmerzen oder anhaltendes Erbrechen/Durchfall bitte sofort melden. Nicht selbst behandeln, sondern früh Kontakt aufnehmen.


Wie Sie als Begleitperson auf sich achten

Vier Tipps, wie Sie mit der Belastung umgehen

Wie Sie als Begleitperson auf sich achten
  • Täglicher Zwei-Minuten-Check-in
    Entlasten Sie Ihren Kopf, indem Sie täglich kurz besprechen: Ist der Mensch, den Sie begleiten, mit allem versorgt, was er braucht – z. B. Essen, Trinken und Medikamente versorgt? Gibt es neue Symptome, Warnsignale oder Nebenwirkungen?

  • Updates vereinfachen
    Nutzen Sie eine vorformulierte Standardnachricht für das unterstützende Netzwerk. Das spart Ihnen täglich wertvolle Kraft und Zeit.

  • Pausen fest einplanen
    Blocken Sie täglich feste Zeiten nur für sich im Kalender. Diese Erholungsinseln sind wichtig, um langfristig durchzuhalten.

  • Unterstützung im Voraus einplanen
    Legen Sie eine Liste mit Entlastungsdiensten an. So wissen Sie in stressigen Momenten sofort, wen Sie kontaktieren können.

Weitere Unterstützung für Sie

Hier finden Sie hilfreiche Anlaufstellen und weiterführende Informationen.